{"id":1330,"date":"2025-05-30T23:56:00","date_gmt":"2025-05-30T21:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/?p=1330"},"modified":"2026-09-18T00:10:16","modified_gmt":"2026-09-17T22:10:16","slug":"dem-gemeinwohl-verpflichtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/dem-gemeinwohl-verpflichtet\/","title":{"rendered":"Dem Gemeinwohl verpflichtet"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gespr\u00e4ch im Rahmen des B\u00fcndnisses Demokratie &amp; Menschenrechte, &#8222;Karlsruher Stimmen I Demokratie und Menschenrechte im Gespr\u00e4ch&#8220;, <a href=\"https:\/\/buendnis-karlsruhe.de\/dem-gemeinwohl-verpflichtet\/\">https:\/\/buendnis-karlsruhe.de\/dem-gemeinwohl-verpflichtet\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Prof. Dr. Fr\u00e9d\u00e9ric Bu\u00dfmann \u00fcber die Verantwortung von Kulturinstitutionen, Kunst als Impulsgeber und Museen als Begegnungsr\u00e4ume. <strong>Herr Bu\u00dfmann, warum engagiert sich die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe im B\u00fcndnis f\u00fcr Demokratie und Menschenrechte?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Museen sind steuerfinanzierte, gemeinwohlorientierte gesellschaftliche Akteure und sollten ihrer Verantwortung gerecht werden, f\u00fcr die grundlegenden Werte unseres Zusammenlebens in allen Bereichen einzustehen. Unser Grundgesetz gibt hier eine klare Orientierung. Und: Museen sind Kinder der Aufkl\u00e4rung, haben einen Bildungsauftrag und genie\u00dfen hohes Vertrauen in der Bev\u00f6lkerung. Wir k\u00f6nnen Werte vermitteln und Dialogr\u00e4ume anbieten und aus der Vergangenheit lernend die Gegenwart mit den Menschen in der Stadt gestalten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kunsthalle Karlsruhe empf\u00e4ngt dabei ihren gesellschaftlichen Auftrag aus der eigenen Geschichte, denn wir haben unsere Wurzeln in aristokratischen Sammlungen der Markgrafen von Baden, die aber auch dem Gemeinwohl verpflichtet waren, wie Sie an unserer \u201eGr\u00fcnderin\u201c Karoline Luise von Baden sehen k\u00f6nnen. Sie sammelte nicht aus repr\u00e4sentativen Gr\u00fcnden, sondern als praktizierende und gelehrte K\u00fcnstlerin. Die auch zu Studienzwecken gesammelten Bilder machte sie nach ihrem Tod 1783 der allgemeinen \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich \u2013 eine fr\u00fche Form der Volksbildung, damit sich die Menschen unabh\u00e4ngig von ihrem Stand selbstst\u00e4ndig mit Kunst besch\u00e4ftigen und auch selbst k\u00fcnstlerisch arbeiten k\u00f6nnen. Das ist ein zutiefst demokratischer Gedanke, und an dieser Tradition arbeiten wir weiter.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie verstehen Sie Demokratie?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich verstehe Demokratie nicht als Herrschaft der Mehrheit, sondern vor allem als Schutz der Minderheiten. Gerade auch in Karlsruhe, wo die bundesdeutsche Demokratie mit dem Bundesverfassungsgericht einen starken Verfechter der im Grundgesetz verankerten Schutzrechte gegen die Willk\u00fcr der Mehrheit und der staatlichen Gewalt findet, sollten wir die grundgesetzliche Demokratie als Garant unserer Freiheit und Selbstbestimmung feiern und besch\u00fctzen. Es geht darum, eine plurale Gesellschaft aktiv zu gestalten \u2013 eine Gesellschaft, in der Vielfalt und Toleranz m\u00f6glich sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Demokratie bedeutet f\u00fcr mich nicht nur ein politisches System, sondern eine liberale, offene Gesellschaftsform, die sich von autorit\u00e4ren Strukturen unterscheidet. Deshalb ist es so wichtig, Demokratie nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern konkret erfahrbar zu machen. Das Gegenmodell erfahren wir im Augenblick weltweit, leider auch im Leitmodell des neuzeitlichen demokratischen Staates, den USA.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welche Rolle spielen Begegnungsr\u00e4ume wie Museen f\u00fcr die Demokratie?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gemeinschafts-, Dialog- und Diskursr\u00e4ume \u2013 auch kritische \u2013 sind essenziell. Als Institution und Teil der Zivilgesellschaft tragen wir die Verantwortung, eben nicht alles dem Staat oder der Stadt zu \u00fcberlassen. Demokratie muss von jedem Einzelnen gelebt werden. Hier braucht es gegenseitiges Vertrauen und Respekt, egal woher wir kommen und wohin wir gehen. Wir sehen es in unserem Alltag und insbesondere in den sozialen Medien, wie schnell Diskussionen eskalieren. Doch das f\u00fchrt selten zu etwas Konstruktivem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viel wertvoller ist der direkte Austausch, miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen \u2013 am besten an Orten wie dem Museum. Davon lebt unsere Gesellschaft. Es geht darum, nicht in Ohnmacht zu verfallen, sondern zu erkennen, dass jeder Einzelne in der Demokratie wirksam sein kann. Diese Erfahrung von Wirksamkeit st\u00e4rkt auch die Resilienz.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie sieht das demokratische Engagement der Kunsthalle konkret aus?&nbsp;<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kunsthalle war bereits an Aktionen des B\u00fcndnisses f\u00fcr Demokratie und Menschenrechte beteiligt. Wir waren zum Beispiel im Rahmen der Langen Nacht der Demokratie 2024 mit einem Format in der Innenstadt pr\u00e4sent, bei dem es um das Streiten \u00fcber Kunst und gesellschaftliche Themen ging. Wir haben dort inhaltliche Diskussionen zwischen Fremden angeregt und begleitet, bei denen man einige Minuten miteinander ins Gespr\u00e4ch kommen konnte, jenseits der eigenen Bubble und ohne sich zu kennen \u2013 auch kontrovers, aber stets zivilisiert, mit Achtung und Respekt f\u00fcr die Meinung des anderen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Arbeit mit der Kunst im Museum ist aus meiner Sicht gemeinwohlorientiert. Kunst existiert nicht unabh\u00e4ngig von ihrem Entstehungskontext, sondern ist immer mit bestimmten Themen verbunden; und dies kann auch Fragen nach Macht und Diversit\u00e4t beinhalten, aber auch ethische Fragen aufwerfen. Und wir k\u00f6nnen \u00fcber unsere Arbeit Selbstwirksamkeitserfahrungen, gerade bei j\u00fcngeren Menschen, anbieten und \u00fcber die Kunst Impulse zur Reflexion und Dialogf\u00e4higkeit setzen. Das Museum ist ein Begegnungsort, und weil wir auch Schulklassen empfangen, ist es zum Beispiel m\u00f6glich, dass Menschen, die sonst vielleicht nicht ins Museum gehen, sich mit einer Vielfalt an unterschiedlichen Themen auseinandersetzen und zugleich Gemeinsinn stiften.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was muss die Zivilgesellschaft Ihrer Ansicht nach jetzt tun?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ganz klar: Gemeinsam Haltung zeigen, antidemokratische Kr\u00e4fte bek\u00e4mpfen, Ambivalenzen aushalten, aber nicht beliebig werden \u2013 Stichwort: Toleranzparadoxon \u2013, also offene Dialog- und Freir\u00e4ume schaffen, die aber klare Werte vertreten und Grenzen ziehen; die Freiheit von Kunst und Wissenschaft fordern und daf\u00fcr einstehen, f\u00fcr das Gemeinwohl arbeiten \u2013 das sind einige unserer zentralen Aufgaben heute. Gerade vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung in Amerika, aber auch in Europa und in Deutschland, ist eine engagierte und vernunftgeleitete Zivilgesellschaft unerl\u00e4sslich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Konkret finde ich, dass wir als B\u00fcndnis noch sichtbarer sein sollten \u2013 besonders in der Innenstadt, denn sie ist der zentrale Ort, an dem ganz unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen. Innenst\u00e4dte haben eine lange europ\u00e4ische Tradition der gesellschaftlichen Verst\u00e4ndigung, aber ich nehme wahr, dass dort auch Spannungen existieren. Unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen bewegen sich oft in getrennten R\u00e4umen. Als B\u00fcndnis k\u00f6nnten wir dazu beitragen, diese Grenzen zu \u00fcberwinden und Menschen mit unterschiedlichen Hintergr\u00fcnden wieder st\u00e4rker zusammenzubringen. Durch unsere Vielfalt und die verschiedenen Zielgruppen, die wir ansprechen, k\u00f6nnen wir als Plattform und Multiplikator f\u00fcr die Stadtgesellschaft fungieren.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gespr\u00e4ch im Rahmen des B\u00fcndnisses Demokratie &amp; Menschenrechte, &#8222;Karlsruher Stimmen I Demokratie und Menschenrechte im Gespr\u00e4ch&#8220;, https:\/\/buendnis-karlsruhe.de\/dem-gemeinwohl-verpflichtet\/ Prof. Dr. Fr\u00e9d\u00e9ric Bu\u00dfmann \u00fcber die Verantwortung von Kulturinstitutionen, Kunst als Impulsgeber und Museen als Begegnungsr\u00e4ume. Herr Bu\u00dfmann, warum engagiert sich die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe im B\u00fcndnis f\u00fcr Demokratie und Menschenrechte? Museen sind steuerfinanzierte, gemeinwohlorientierte gesellschaftliche Akteure und sollten ihrer Verantwortung gerecht werden, f\u00fcr die grundlegenden Werte unseres Zusammenlebens in allen Bereichen einzustehen. 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