{"id":374,"date":"2008-09-10T22:38:47","date_gmt":"2008-09-10T20:38:47","guid":{"rendered":"http:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/?p=374"},"modified":"2017-02-21T22:30:15","modified_gmt":"2017-02-21T21:30:15","slug":"werkkommentare-katalog-wuerth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/werkkommentare-katalog-wuerth\/","title":{"rendered":"Werkkommentare zu Christo, Richard Deacon und Bill Woodrow im  Katalog der Neuerwerbungen der Sammlung W\u00fcrth, 2008"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\"><a name=\"Inhalt\"><\/a>Werkkommentare zu<\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"#11221\">Christo, <i>Bicyclette empaquet\u00e9e sur galerie de voiture<\/i>, 1962, Assemblage aus Fahrrad, Kunststoff, Seil, Autodachtr\u00e4ger, 130 x 150 x 45 cm, Inv.-Nr. 11221<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"#10047\">Christo, <i>Packed Building, Project for The Allied Chemical Building, # 1 Times Square<\/i>, 1968, Bleistift, Kohle, Aquarell auf Papier, 127 x 91,5 cm, Inv.-Nr. 10047<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"#10048\">Christo, <i>Packed Coast,<\/i> <i>Project for Little Bay, Sydney, Australia<\/i>, 1969, Bleistift, Wachskreide, Kohle, aquarellierte und handgezeichnete topographische Karte, Klebeband, 38 x 244 cm bzw. 91,5 x 244 cm, zweiteilig, Inv.-Nr. 10048<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"#10049\">Christo, <i>Over the River, Project for The Arkansas River<\/i>, State of Colorado, 1997, Bleistift, Kohle, Pastell, Kreide, Fotografie (von Wolfgang Volz), Karte und Klebeband, 38 x 244 cm bzw. 106,7 x 244 cm, zweiteilig, Inv.-Nr. 10049<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"#11527-11539\">Richard Deacon und Bill Woodrow, <em>Lead Astray<\/em>, 2003\/2004, 13-teilige Werkgruppe, verschiedene Materialien und Ma\u00dfe, Inv. 11527-11539<\/a><\/p>\n<p>publiziert in <em>Im Blick des Sammlers. Neuerwerbungen der Sammlung W\u00fcrth von Kirchner und Schlemmer bis Kiefer,<\/em> Ausst.-Kat., K\u00fcnzelsau, Museum W\u00fcrth 2009\u20132010, hrsg. von Werner Spies, C. Sylvia Weber und Julia Drost unter der Mitarbeit von Gabriela Reuss und Kristine Preu\u00df, K\u00fcnzelsau, Swiridoff 2009, S. 58\u201365, 218\u2013227.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a href=\"#Inhalt\" name=\"11221\"><span lang=\"en-US\">Christo<br \/>\n<\/span><em>Bicyclette empaquet\u00e9e sur galerie de voiture<\/em>, 1962<br \/>\n<\/a><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo11221a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-387 size-medium\" src=\"http:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo11221a-300x208.jpg\" alt=\"christo11221a\" width=\"300\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo11221a-300x208.jpg 300w, https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo11221a-768x533.jpg 768w, https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo11221a-1024x711.jpg 1024w, https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo11221a.jpg 1127w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Das verpackte Fahrrad auf einem Dachgep\u00e4cktr\u00e4ger geh\u00f6rt zu den fr\u00fchen Arbeiten Christos, die er nach seiner Ankunft in Paris 1958 angefertigt hat. W\u00e4hrend dieser Zeit interessieren ihn weniger die materielle Beschaffenheit von Kunstwerken, sondern die Arbeit mit vorgefundenen Gegenst\u00e4nden aus seinem unmittelbaren Umfeld und das Verh\u00e4ltnis des Betrachters zu dem Objekt nach seiner k\u00fcnstlerischen Bearbeitung. \u00c4hnliche Interventionen finden sich etwa zeitgleich bei den Nouveaux R\u00e9alistes oder den Pop-Art-K\u00fcnstlern. Allerdings geht es Christo nicht darum, Alltagsgegenst\u00e4nde zu Kunst zu erkl\u00e4ren oder deren Benutzung im Alltag auszustellen, sondern, ganz der Ph\u00e4nomenologie Maurice Merleau-Pontys verbunden, um den Wahrnehmungswandel beim Betrachter.<\/p>\n<p>Christo arbeitet bei dem verpackten Fahrrad auf verschiedenen Ebenen des Zeigens und Versteckens. Das Werk besteht aus zwei Objekten, einem verh\u00fcllten und einem unverh\u00fcllten. Das Fahrrad ist vollst\u00e4ndig in die Plastikfolie eingeh\u00fcllt und zus\u00e4tzlich von festen Schn\u00fcren zusammengebunden, die es gleichzeitig an dem zweiten Teil der Arbeit befestigen, einem wei\u00dfen Gep\u00e4cktr\u00e4ger. Das verfremdete Objekt steht in einem funktionalen Zusammenhang mit seinem unverfremdeten Untergrund, seinem buchst\u00e4blichen Tr\u00e4ger \u2013 allerdings in einer irritierenden Zusammenstellung, da es quer darauf liegt und in dieser Anordnung nicht transportiert werden k\u00f6nnte. Die eher organisch anmutende Form des br\u00e4unlich verpackten Fahrrads kontrastiert mit dem strengen Rhythmus der parallel laufenden Metallstangen des Tr\u00e4gers und wird dadurch in seinem skulpturalen und r\u00e4umlichen Charakter noch gest\u00e4rkt. Die Anordnung beider Objekte unterstreicht den k\u00fcnstlerischen Charakter der gesamten Arbeit und entzieht sie eindeutig dem Gebrauchswert. Christo hat hier zu einer k\u00fcnstlerischen Praxis gefunden, die ihn in den kommenden 50 Jahren besch\u00e4ftigen soll und die die sich wandelnde Wahrnehmung, eine neue Vorstellung der Objekte durch den k\u00fcnstlerischen Eingriff, zum Gegenstand hat.<\/p>\n<h3><a href=\"#Inhalt\" name=\"10047\"><span lang=\"en-US\">Christo<\/span><br \/>\n<span lang=\"en-US\"><em>Packed Building, Project for The Allied Chemical Building, # 1 Times Square<\/em>, 1<\/span>968<\/a><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo10047.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-389 size-medium alignleft\" src=\"http:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo10047-212x300.jpg\" alt=\"christo10047\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo10047-212x300.jpg 212w, https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo10047.jpg 569w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a>Das Projekt, das Geb\u00e4ude der Allied Chemical Company am New Yorker Times Square zu verh\u00fcllen, ist Bestandteil eines gr\u00f6\u00dferen \u00dcberlegungsprozesses, den Christo 1961 als \u00bbrohe Verpackung\u00ab mit dem Ziel der \u00bbUnterbrechung der Benutzung\u00ab seiner gesamten Umwelt bezeichnet; er beinhaltet das Verh\u00fcllen von Alltagsgegenst\u00e4nden, M\u00f6beln, Autos, aber auch Objekten des \u00f6ffentlichen Raums wie Skulpturen, Brunnenanlagen oder gar ganzer Geb\u00e4ude. Das nicht realisierte Projekt von 1968 zum Allied Chemical Building war der vierte und letzte Versuch Christos, in New York ein gro\u00dfes \u00f6ffentliches Geb\u00e4ude zu verh\u00fcllen.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Entwurfszeichnung f\u00fcr dieses Projekt tr\u00e4gt eine Bildunterschrift mit genauen Angaben in Christo-typischer Manier. Auf der Projektskizze, nach einem Foto erstellt, hat Christo mit schnellem Strich seine ersten Ideen der Verh\u00fcllung umgesetzt; mit Bleistift und Kohle zeichnet er die Grundstruktur des Stra\u00dfenblocks und der H\u00e4user nach, die Ausf\u00fchrung in Aquarellfarben unterstreicht den k\u00fcnstlerischen Charakter der Handzeichnung. Pr\u00e4zise ist die topografische Struktur des Umfeldes nachvollziehbar. Das Blickfeld ist bewusst so gew\u00e4hlt, dass sich das Geb\u00e4ude konturstark vom Hintergrund abhebt. Das Hochhaus erscheint durch diese zeichnerische Intervention fast organisch. Durch den k\u00fcnstlerischen Eingriff Christos durchlebt das Hochhaus f\u00fcr eine kurze Zeit eine Metamorphose hin zu einem fast lebendigen Organismus, der sich deutlich von dem daneben stehenden und durch pr\u00e4zise geometrische Formen gezeichneten Geb\u00e4ude abhebt. Der kalte und strenge Stahl wird von einem leicht flatternden, bauchigen und ungeometrischen Verband verh\u00fcllt, der die Funktion des Geb\u00e4udes nicht mehr erkennen l\u00e4sst. Das Geb\u00e4ude wird hier zu reiner Form, funktionsfreien Volumina und einer Oberfl\u00e4che, die nichts von den wirtschaftlichen und architektonischen Zw\u00e4ngen verr\u00e4t, denen der Mensch in der modernen Gro\u00dfstadt ausgesetzt ist. Christo setzt hier eine ideelle Befreiung des Menschen von diesen Zw\u00e4ngen zeichnerisch u<span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\">m.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a href=\"#Inhalt\" name=\"10048\">Christo<br \/>\n<em>Packed Coast, Project for Little Bay, Sydney, Australia<\/em>, 1969<\/a><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo10048.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-388 size-medium\" src=\"http:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo10048-300x162.jpg\" alt=\"christo10048\" width=\"300\" height=\"162\" srcset=\"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo10048-300x162.jpg 300w, https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo10048-768x415.jpg 768w, https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo10048.jpg 1001w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Von den Pl\u00e4nen Christos, in den 1960er-Jahren ganze H\u00e4user verpacken zu wollen, war es nicht mehr weit dahin, das Verh\u00fcllen ganzer Landstriche zu initiieren. Dem Projekt, einen Teil der australischen K\u00fcste einzupacken, war 1968 eine erste Konzeption f\u00fcr die Westk\u00fcste der USA vorausgegangen. Christo konnte sie aber erst 1969 in Australien umsetzen. Er lie\u00df in der N\u00e4he von Sydney einen ca. 2,4 km langen K\u00fcstenstreifen am Pazifischen Ozean mit 92&nbsp;900 m2 lichtreflektierendem, opakem und synthetischem Erosionsschutzgewebe verh\u00fcllen. Diese Intervention in die K\u00fcstenlandschaft bedeutete f\u00fcr Christo eine bisher unbekannte logistische Herausforderung und erweiterte seinen Aktionshorizont auf die Natur.<\/p>\n<p>Der Projektentwurf hierzu ist zweigeteilt: Im schmalen oberen Teil ist eine topografische Karte des K\u00fcstenstreifens wiedergegeben, der durch einen schwarzen Klebestreifen von dem unteren Teil mit der Projektskizze getrennt ist. Die oben auf der Karte verzeichneten H\u00f6henunterschiede der K\u00fcste finden unten ihre Entsprechung auf der perspektivischen Landschaftsdarstellung. Geografische Angaben, Bildinschriften und Gitterlinien verleihen der Zeichnung einen technischen Aspekt.<\/p>\n<p>Nicht die K\u00fcste, die nach zehn Wochen wieder in ihren urspr\u00fcnglichen Zustand versetzt wurde, stand im Zentrum von Christos Interesse, sondern die Ideen, die der Mensch mit ihr verbindet. Das Verh\u00fcllen des K\u00fcstenstreifens denaturalisiert ihn; es macht ihn zum Tr\u00e4ger einer k\u00fcnstlichen Vorstellung von Natur. Die Spannungslinien der K\u00fcste werden durch die gefalteten Stoffbahnen erkennbar, klarer und schematischer als beim unverh\u00fcllten Blick auf die K\u00fcste. Kunst und Natur stehen sich hier in gewaltigen Dimensionen gegen\u00fcber. Christos Aktion muss vor dem Hintergrund der vornehmlich in den USA aufkommenden Land Art gesehen werden. In einer schroffen Natur interveniert der Mensch und schafft eine monumentale Imitation der Natur, in warmen, das Sonnenlicht reflektierenden Materialien, ganz nach seiner Vorstellungskraft.<\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<h3><a href=\"#Inhalt\" name=\"10049\"><span lang=\"en-GB\">Christo<\/span><span lang=\"en-GB\"><br \/>\n<\/span><span lang=\"en-GB\"><em>Over the River. Project for the Arkansas River, State of Colorado<\/em>, <\/span>1997<\/a><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo10049.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-390 size-medium\" src=\"http:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo10049-300x186.jpg\" alt=\"christo10049\" width=\"300\" height=\"186\" srcset=\"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo10049-300x186.jpg 300w, https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo10049-768x475.jpg 768w, https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/Christo10049.jpg 999w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Es geh\u00f6rt seit den fr\u00fchen 1960er-Jahren zu Christos k\u00fcnstlerischer Eigenheit, die von ihm entwickelten Projekte ohne institutionelle Hilfe, sondern allein durch den Verkauf der im Vorfeld entstandenen Skizzenbl\u00e4tter und Lithografien zu finanzieren. Diese Bl\u00e4tter sind eigenst\u00e4ndige Teile der Projekte, bisweilen die einzigen Zeugnisse unrealisierter Arbeiten und wichtige Etappen beim fast schon dialektischen Prozess zwischen dem K\u00fcnstlerpaar Christo und Jeanne-Claude, den lokalen Verantwortlichen und der \u00f6ffentlichen Meinung im Vorfeld der Realisierung.<\/p>\n<p>Die vorliegende Collage ist ein solches Zeugnis. Es handelt sich um einen dreiteiligen Entwurf aus dem Jahr 1997; er besteht aus einer kleinen fotografischen Ansicht des Arkansas Rivers, einem Ausschnitt einer topografischen Karte, auf der ein roter Kreis den genauen Standpunkt des Projekts markiert, und einer gro\u00dfen, detailliert ausgef\u00fchrten Projektskizze.<\/p>\n<p>Auf einer L\u00e4nge von 64 Kilometern sollen im Jahr 2012 zwischen den an den Fluss n\u00f6rdlich und s\u00fcdlich angrenzenden Gebirgsh\u00e4ngen f\u00fcr die Dauer von zwei Wochen Stoffbahnen befestigt werden. Die in einigem Abstand von der Flussoberfl\u00e4che aufgeh\u00e4ngten Bahnen mit fast 11 Kilometer Gesamtl\u00e4nge werden immer wieder unterbrochen, sodass der Blick auf den darunterliegenden Fluss freigegeben wird und dessen Nutzung weiter garantiert werden kann. Hier zeigt sich die gewollte Interaktion zwischen Betrachter und verpacktem Objekt. Die gerafften Stoffbahnen spiegeln in ihrer flie\u00dfenden Form die Bewegung des wilden Flusses wider; sie sind selbst im Fluss und erzeugen beim Betrachter, ob er von au\u00dfen auf die Stoffbahnen schaut oder sich unter ihnen befindet, ein Gef\u00fchl der doppelten Bewegung. Sonnendurchflutet, \u00bbkontrastreiche Lichtspiele erzeugend\u00ab, wie es in der Projektbeschreibung hei\u00dft, erschafft der gro\u00dfe Abstand zwischen dem lichtdurchl\u00e4ssigen Stoff und dem Fluss einen neuen lichten Raum zwischen den nat\u00fcrlichen Kr\u00e4fte von Wind und Wasser, so da\u00df die Natur in einem v\u00f6llig neuen Kontext wahrgenommen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><a href=\"#Inhalt\" name=\"11527-11539\">Richard Deacon und Bill Woodrow<br \/>\n<em>Lead Astray<\/em>, 2003\/2004<\/a><\/h3>\n<p>Richard Deacon und Bill Woodrow geh\u00f6rten in den sp\u00e4ten 1970er-Jahren zu jener Generation von jungen K\u00fcnstlern in London, die der autonomen Plastik eine allt\u00e4gliche, aber auch performative und partizipative Dimension hinzuf\u00fcgten. Sie verband mit ihren Lehrern die Auseinandersetzung mit verschiedenen Werkstoffen. Durch das Studium linguistischer und philosophischer Theorien in den 1970er-Jahren erweiterte Deacon seinen skulpturalen Diskurs um eine strukturelle, sprachliche Reflexion. Auch Woodrow interessierte sich fr\u00fch f\u00fcr die narrative Ebene der Skulptur und das Materielle des Allt\u00e4glichen, das er verarbeitete und skulptural verfremdete. Mit Deacon, mit dem er sich bereits in den 1970er-Jahren ein Atelier teilte, verbindet ihn fr\u00fch diese Suche nach Verfremdung der Materialien und nach einer narrativen Neukontextualisierung der Werke.<\/p>\n<p>In den 1990er-Jahren begannen Woodrow und Deacon mit verschiedenen Materialien zu experimentieren, zuerst mit Bronze (<em>Monuments<\/em>, 1999), dann 2003\/04 mit Blei. Bei der 13-teiligen Werkserie <em>Lead Astray<\/em> kombinieren sie Blei mit in unmittelbarer N\u00e4he zu ihrem Atelier gefundenem Holz und Glas. Mit dem Wortspiel im Titel \u2013 <em>Lead<\/em> hei\u00dft \u00fcbersetzt \u00bbBlei\u00ab, bildet aber in Verbindung mit astray die Redewendung \u00bbin die Irre f\u00fchren\u00ab \u2013 taucht man direkt in ihre k\u00fcnstlerische Welt ein, die geistreich die sprachliche Ebene der Kunstbetrachtung reflektiert. Die Titel der einzelnen, in ihrer Gr\u00f6\u00dfe h\u00f6chst unterschiedlichen Werke f\u00fchren dieses Verwirrspiel fort:<em> Isle of Man (I, II, III), Cardigan Island, Brownsea Island, Rough Island, Black Isle, Bait Island, Sheep Island, Puffin Island, Rabbit Island, <span lang=\"de-DE\">Holy Island<\/span> <\/em>und<em> Ash Island<\/em> \u2013 Namen von britischen Inseln und Halbinseln, die einen inhaltlichen, ikonografischen oder formalen Bezug zu den Werken vorgeben; doch merkt man schnell, dass man durch die Titel auf eine falsche F\u00e4hrte gef\u00fchrt wird und dass die dadurch evozierten Bildwelten nur sehr wenig mit den Arbeiten gemein haben. Ein mittelalterliches Mauerwerk, Elche, Handwerker in mittelalterlichen Trachten und mit ihren Werkzeugen, W\u00e4lder, ein Totensch\u00e4del, Becher, Aale und vieles andere mehr pr\u00e4sentieren die beiden K\u00fcnstler zumeist auf fragilen Sockeln. Die dargestellten Figuren erinnern an die Welt des Mittelalters, in der das Blei, alchemistisches Material (alchemistischer Stoff) par excellence, f\u00fcr die Kunst und die Architektur von besonderer Bedeutung war. Blei, durch seinen niedrigen Schmelzpunkt besonders flexibel, aber sehr haltbar, verbindet die beiden anderen Werkstoffe, die ebenfalls f\u00fcr die Bildhauerei und Baukunst des Mittelalters von gr\u00f6\u00dfter Wichtigkeit waren, n\u00e4mlich Holz und Glas. Deacon und Woodrow stechen mit dem Betrachter in See zu einer Reise durch imaginierte Bildwelten, abenteuerliche Handwerkskunst und mittelalterliche Verwirrspiele, irritierend, aber nicht bleiern!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Publikation<\/h3>\n<div class=\"wp-block-pdfemb-pdf-embedder-viewer\"><a href=\"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/07\/W\u00fcrth2008_Christo.pdf\" class=\"pdfemb-viewer\" style=\"\" data-width=\"max\" data-height=\"max\" data-toolbar=\"bottom\" data-toolbar-fixed=\"off\">wuerth2008_christo<\/a><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"wp-block-pdfemb-pdf-embedder-viewer\"><a href=\"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/07\/W\u00fcrth2008_DeaconWoodrow.pdf\" class=\"pdfemb-viewer\" style=\"\" data-width=\"max\" data-height=\"max\" data-toolbar=\"bottom\" data-toolbar-fixed=\"off\">wuerth2008_deaconwoodrow<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werkkommentare zu Christo, Bicyclette empaquet\u00e9e sur galerie de voiture, 1962, Assemblage aus Fahrrad, Kunststoff, Seil, Autodachtr\u00e4ger, 130 x 150 x 45 cm, Inv.-Nr. 11221 Christo, Packed Building, Project for The Allied Chemical Building, # 1 Times Square, 1968, Bleistift, Kohle, Aquarell auf Papier, 127 x 91,5 cm, Inv.-Nr. 10047 Christo, Packed Coast, Project for Little Bay, Sydney, Australia, 1969, Bleistift, Wachskreide, Kohle, aquarellierte und handgezeichnete topographische Karte, Klebeband, 38 x 244 cm bzw. 91,5 x 244 cm, zweiteilig, Inv.-Nr. 10048 Christo, Over the River, Project for The Arkansas River, State of Colorado, 1997, Bleistift, Kohle, Pastell, Kreide,<\/p>\n<p><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/werkkommentare-katalog-wuerth\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":true,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[142],"tags":[150,148,149],"class_list":["post-374","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-werkkommentare","tag-bill-woodrow","tag-christo","tag-richard-deacon"],"aioseo_notices":[],"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":"9c1d8470a73d4e11bea9b7475c1d36e1","server":"vg06.met.vgwort.de","url":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/9c1d8470a73d4e11bea9b7475c1d36e1"},"wp-worthy-type":"normal","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p863Lt-62","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/374","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=374"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/374\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":394,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/374\/revisions\/394"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}