{"id":403,"date":"2015-11-29T19:35:56","date_gmt":"2015-11-29T18:35:56","guid":{"rendered":"http:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/?p=403"},"modified":"2017-03-26T23:14:58","modified_gmt":"2017-03-26T21:14:58","slug":"werkkommentare-zu-delacroix","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/werkkommentare-zu-delacroix\/","title":{"rendered":"Werkkommentare zu Delacroix"},"content":{"rendered":"<p>Eug\u00e8ne Delacroix<br \/>\n<strong>Tod der Ophelia<br \/>\n<\/strong>1838<br \/>\n\u00d6L auf Leinwand, 38,1 x 45,9 cm<br \/>\nBez. u. l.: <em>Eug. Delacroix<\/em><br \/>\nBayerische Staatsgem\u00e4ldesammlungen M\u00fcnchen, Neue Pinakothek<br \/>\nInv.-Nr.: 12764<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abb. ##: Paul Delaroche, La Jeune Martyre, 1854\u20131855, \u00d6l auf Leinwand, 170,5 x 148 cm, Paris, Mus\u00e9e du Louvre, D\u00e9partement des Peintures<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die literarische Vorlage des \u00d6lgem\u00e4ldes <em>Der Tod der Ophelia <\/em>von Eug\u00e8ne Delacroix entstammt William Shakespeares (1564\u20131616) Drama <em>Hamlet<\/em> von 1602. Eug\u00e8ne Delacroix greift die siebte Szene aus dem vierten Aufzug heraus, in dem K\u00f6nigin Gertrud, Hamlets Mutter, dem d\u00e4nischen K\u00f6nig Claudius und ihrem Bruder Laerte von Ophelias Ertrinken in einem Fluss berichtet, als der Ast eines Weidenbaumes bricht und sie ins Wasser gezogen wird. Nachdem Ophelias Geliebter Hamlet sie im zur\u00fcckgewiesen und irrt\u00fcmlich ihren Vater Polonius get\u00f6tet hat, verf\u00e4llt Ophelia dem Wahnsinn und begeht schlie\u00dflich gebrochenen Herzens Selbstmord. Bereits in Shakespeares St\u00fcck wird ihr Tod nicht direkt gezeigt, sondern nur durch Gertruds Todesgesang \u00fcbermittelt. Delacroix bem\u00fchte sich um eine dem Drama ebenb\u00fcrtige, aber nicht illustrative Bildsprache. Er griff deswegen genau die Textstelle auf, in der die Handlung der Vorstellungskraft des Lesers \u00fcberlassen bleibt, um mit bildnerischen Mitteln der Dramatik der Szene Ausdruck zu verleihen.<\/p>\n<p>Delacroix, der das Thema in drei unterschiedlichen Versionen malte,<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> zeigt Ophelia in einem Zustand zwischen Leben und Tod. Mit ihrer Rechten weist sie auf ihre entbl\u00f6\u00dfte Brust und ihr gebrochenes Herz. Das offene und wilde Haar spielt auf ihren Wahn, aber auch auf ihre Verf\u00fchrungsk\u00fcnste an. Die weit aufgerissenen, gleichwohl apathisch blickenden Augen und die Physiognomie vermitteln die ganze Traurigkeit ihrer Selbstaufgabe. Die in skizzenhaftem Strich mehr angedeutet als pr\u00e4zise ausgebildete, in ged\u00e4mpften Grau-, Braun- und Gr\u00fcnt\u00f6nen fast monochrom gemalte Natur erwidert diese Atmosph\u00e4re in einem melancholischen Resonanzraum. Zugleich verleiht Delacroix Ophelia durch den bis zur H\u00fcfte heruntergezogenen Chiton und ihren nach hinten geworfenen Kopf erotische Ankl\u00e4nge. Das Tuch ihres Gewandes ist farblich auf die Natur abgestimmt und in leichten, bewegten Formen nur angedeutet, fast scheint es im Wasser zu verlaufen. Delacroix verzichtet auf den bei Shakespeare genannten Gesang Ophelias zugunsten der Betonung des Hineingleitens in den Fluss: \u201eDoch lange w\u00e4hrt\u2019 es nicht, bis ihre Kleider, die sich schwer getrunken, das arme Kind von ihren Melodien hinunterzogen in den schlamm\u2019gen Tod.\u201c<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> Delacroix\u2019 fl\u00fcssiger und durchscheinender Farbauftrag verst\u00e4rkt den Eindruck des transitorischen Zustands Ophelias zwischen Leben und Tod. In seiner offenen Malweise wird ihr Sterben zu einer Selbstaufgabe in der Metamorphose: Sie scheint langsam in der Natur aufzugehen, ihr Leben verliert sich in den Str\u00f6mungen des Flusses so wie dieser sich zum Horizont hin in der Natur aufl\u00f6st.<\/p>\n<p>Delacroix\u2019 Ophelia erinnert in ihrer Leidenspose an das Bild einer christlichen M\u00e4rtyrerin, die Paul Delaroche 1854\/55 (Abb. ##) malte. Es ist aber die existenzielle Konfliktsituation Ophelias, die Delacroix an Shakespeares Stoff interessierte, die menschliche Zerr\u00fcttung und nicht die vorbildliche Tugend, wie sie in der klassizistischen Kunsttheorie als nachzuahmendes Ideal galt. Delacroix hatte <em>Hamlet<\/em> zum ersten Mal 1827 in Paris in einer Auff\u00fchrung gesehen, die ihn zu antiakademischen Lobeshymnen inspirierte: \u201eDie W\u00fcrde der Akademie erforderte, dass man die \u00dcbernahme dieser Art der Darstellung als unvereinbar mit der \u00f6ffentlichen Moral erkl\u00e4rte. Guter Geschmack, leb wohl!\u201c<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> In seiner Begeisterung f\u00fcr Shakespeares realistische Darstellung menschlicher Konflikte war Delacroix der erste franz\u00f6sische K\u00fcnstler, der diese Szene zu einem eigenst\u00e4ndigen Bildmotiv ausgearbeitet hat, ohne das Gem\u00e4lde jedoch zu Lebzeiten auszustellen; in seiner <em>Hamlet<\/em>-Serie von 1843 (Kat. ##) ver\u00f6ffentlichte er eine Lithografie nach dem Bild. Delacroix formuliert eine romantische Sicht auf Ophelia, deren wahnsinniger, aber f\u00fcr den Betrachter sch\u00f6ner Tod als sehnsuchtsvolle Erl\u00f6sung, als Gegenentwurf zu einem von der Vernunft geleiteten Lebensverst\u00e4ndnis verstanden wurde. So geriet Ophelia zu einem der gro\u00dfen Leidenschaftsmotive des 19. Jahrhunderts, das auch in der Oper etwa von Hector Berlioz 1842 bearbeitet wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>FB<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>Lit.: Johnson 1993, Bd. 3, Nr. 264 \u2013 Young 2002, S. 279\u2013345 \u2013 Best.-Kat. 2003, S. 302\u2013304 \u2013Kindler 2004, S. 150\u2013223 \u2013 Ausst.-Kat. Frankfurt 2012, Nr. 44 \u2013 Ausst.-Kat. Dresden 2013, S. 191.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Die hier gezeigte M\u00fcnchener Fassung ist die erste von drei Versionen in \u00d6l. Die zweite von 1844 befindet sich im Museum Oskar Reinhart in Winterthur, die dritte von 1853 geh\u00f6rt zusammen mit einem Studienblatt dem Mus\u00e9e du Louvre in Paris. Vor Delacroix hatte sich in England eine Darstellungsweise der Konzentration auf den Tod Ophelias entwickelt, die zum ersten Mal von Johann Heinrich F\u00fc\u00dfli auf einer Zeichnung von 1778 umgesetzt (London, British Museum) und dann in englischen Shakespeare-Illustrationen weitergef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> William Shakespeare, Die Trag\u00f6die von Hamlet, Prinz von D\u00e4nemark, 1603, 4. Aufzug, 7. Szene.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> \u201eIl serait de la dignit\u00e9 de l\u2019Acad\u00e9mie de d\u00e9clarer incompatible avec la morale publique tout importation de ce genre. Adieu le bon go\u00fbt!\u201c Delacroix in einem Brief an Victor Hugo, 1827, in Delacroix 1935\u20131938, Bd. I, S. 198; deutsche \u00dcbersetzung zit. nach Kindler 2004, S. 156.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eug\u00e8ne Delacroix<\/p>\n<p><strong>Hamlet m\u00f6chte dem Geist seines Vaters folgen <\/strong><br \/>\n1835<br \/>\nLithografie, 26 x 20,5 cm<br \/>\nStaatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett<br \/>\nInv.-Nr.: 547, 2-1912<br \/>\nDelteil 104\/II<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hamlet l\u00e4sst Schauspieler die Ermordung seines Vaters nachspielen <\/strong><br \/>\n1835<br \/>\nLithografie, 32,3 x 24,6 cm<br \/>\nStaatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett<br \/>\nInv.-Nr.: 547,6-1912<br \/>\nDelteil 109\/II<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Mord an Polonius <\/strong><br \/>\nundatiert<br \/>\nLithografie, 24,1 x 19,2 cm<br \/>\nStaatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett<br \/>\nInv.-Nr.: 547,7-1912<br \/>\nDelteil 111\/II<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Hamlet und der Leichnam von Polonius<\/h3>\n<p>1835<br \/>\nLithografie, 25,5 x 17,7 cm<br \/>\nStaatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett<br \/>\nInv.-Nr.: 547,10-1912<br \/>\nDelteil 113\/II<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tod der Ophelia <\/strong><br \/>\n1843<br \/>\nLithografie, 25,5 x 18,1 cm<br \/>\nStaatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett<br \/>\nInv.-Nr.: 547,10-1912<br \/>\nDelteil 115\/II<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hamlet und Horatio auf dem Friedhof <\/strong><br \/>\n1843<br \/>\nLithografie, 28,3 x 21,4 cm<br \/>\nStaatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett<br \/>\nInv.-Nr.: 73-1981<br \/>\nDelteil 116\/II<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend seiner Karriere hat sich Eug\u00e8ne Delacroix mehrfach mit Williams Shakespeares (1564\u20131616) &nbsp;um 1602 verfasster <em>Trag\u00f6die von Hamlet, Prinz von D\u00e4nemark<\/em> auseinandergesetzt. Das Drama handelt von der blutigen Vergeltung des jungen Prinzen Hamlet an seinem Onkel Claudius, nachdem dieser seinen Vater, den K\u00f6nig von D\u00e4nemark, umgebracht hat. Getrieben von seinen Rachegedanken, wird der Hamlet alle Beteiligten, seine Familie, seine Geliebte und schlie\u00dflich sich selbst ins Ungl\u00fcck st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Delacroix wurde durch die gefeierten Shakespeare-Auff\u00fchrungen der englischen Schauspielertruppe von Charles Kemble 1827 in Paris angeregt, das englische Drama in insgesamt 14 \u00d6lbildern, mehreren Zeichnungen, Aquarellen sowie verschiedenen Druckgraphiken aufzugreifen. In der noch jungen, die zeichnerische Handschrift exakt wiedergebenden Lithografietechnik wandte sich Delacroix 1828 in <em>Hamlet und Horatio auf dem Friedhof <\/em>zum ersten Mal der literarischen Vorlage zu. Zwischen 1834 und 1843 entstand eine Serie von insgesamt 16 Lithografien zu dem Drama, von denen hier sechs ausgew\u00e4hlt wurden. Delacroix sp\u00fcrt in den Lithografien den Emotionen und seelischen Abgr\u00fcnden Hamlets nach und zeigt die verh\u00e4ngnisvollen Konsequenzen seiner Rache f\u00fcr das Leben und die Liebe am d\u00e4nischen Hofe. In dem Blatt <em>Hamlet m\u00f6chte dem Geist seines Vaters folgen<\/em> arbeitet Delacroix Hamlets Verzweiflung in der Mimik und Gestik heraus, da der Geist seines Vater in der Nacht entschwindet und Hamlet, von Horatio und Marcellus zur\u00fcckgehalten, ihm in die mondbeschienene Nacht folgen will. Die Lithografie <em>Hamlet l\u00e4sst Schauspieler die Ermordung seines Vaters nachspielen<\/em> pr\u00e4sentiert Hamlet als gewieften Taktiker. Das gro\u00dfe Querformat des Blatts verweist auf einen dramatischen H\u00f6hepunkt: Durch die einem Schauspiel im Schauspiel gleich inszenierte und von Hamlet selbst kommentierte Auff\u00fchrung des Verbrechens erzeugt der Prinz Schuldbewusstsein und Angst bei Claudius und Gertrud; Hamlet legt hier seinen Racheplan offen, dessen tragisches Ende in der skeptischen Pose seines Freundes Horatio bereits anklingt. In den beiden Bl\u00e4ttern <em>Der Mord an Polonius<\/em> und <em>Hamlet und der Leichnam von Polonius <\/em>zeichnet Delacroix Hamlets verh\u00e4ngnisvolle Entwicklung nach, der w\u00e4hrend eines Gespr\u00e4chs mit seiner Mutter Gertrud eine Person hinter dem Vorhang entdeckt und diese f\u00fcr Claudius h\u00e4lt. Wahnhafte Z\u00fcge kennzeichnen seine Mimik, w\u00e4hrend er seine Rache in die Tat umsetzt. Irrt\u00fcmlich t\u00f6tet er jedoch Ophelias Vater, den Hofk\u00e4mmerer Polonius. Nachdem er seinen Fehler erkennt und den toten Polonius auf dem Boden erblickt, wird er aber nicht von Reue ergriffen, sondern hat nur Spott f\u00fcr ihn \u00fcbrig. Der Mord ist zentral f\u00fcr den weiteren Verlauf des St\u00fccks, manifestiert er nicht nur Hamlets Fanatismus, sondern l\u00f6st auch den Wahnsinn Ophelias aus. Dem Freitod von Hamlets Geliebten aus Verzweiflung ob der Ermordung ihres Vater und Hamlets Abweisung ihrer Liebe widmet Delacroix das folgende Blatt, das in der lockeren, malerischen Strichf\u00fchrung und in der Komposition dem \u00d6lgem\u00e4lde <em>Tod der Ophelia <\/em>folgt (Kat. ##). Auch die letzte hier ausgew\u00e4hlte Darstellung <em>Hamlet und Horatio auf dem Friedhof <\/em>von 1843 lehnt sich an die Komposition eines \u00d6lgem\u00e4ldes von Delacroix an (Kat. ##). Die durch Diagonalen, K\u00f6rperhaltung und kontrastreiche Hell-Dunkel-Abstufungen dramatisch angelegte Szene zeigt Hamlet zusammen mit seinem Freund Horatio vor dem f\u00fcr Ophelia ausgehobenen Grab. Einer der beiden Totengr\u00e4ber h\u00e4lt den Sch\u00e4del des Hofnarren Yorrick in die H\u00f6he, den Hamlet in seiner Kindheit gut kannte. In einem raffinierten Geflecht aus gegenseitigen Blicken und Gesten beginnt Hamlet seinen Monolog \u00fcber das Leben und den Tod: \u201eAch armer Yorick! \u2013 Ich kannte ihn, Horatio; ein Bursch von unendlichem Humor, voll von den herrlichsten Einf\u00e4llen. Er hat mich tausendmal auf dem R\u00fccken getragen, und jetzt, wie schaudert meiner Einbildungskraft davor!\u201c<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Delacroix, den hier offensichtlich die von Hamlet evozierte Einbildungskraft zur k\u00fcnstlerischen Auseinandersetzung mit dem Stoff inspirierte, konzentriert sich in dem Blatt auf das letzte Innehalten vor dem Schlussakt, in dem der Tod als Leitmotiv des St\u00fcckes offensichtlich wird. \u00dcber die Funktion des <em>Memento mori<\/em> hinaus spiegelt der Totenkopf in der fiktiven Zwiesprache mit Hamlet das N\u00e4rrische des rached\u00fcrstenden Prinzen und l\u00e4sst das tragische Ende des Protagonisten erahnen.<\/p>\n<p>Mit der b\u00fchnenhaften Ausstattung der Szenen und den historisierenden Renaissancekost\u00fcmen im elisabethanischen Stile adaptiert Delacroix die theatralische Inszenierung des St\u00fccks. Dies erlaubt ihm die Konzentration auf eine realistische Charakterisierung der Personen, die Delacroix an Shakespeares Theater sch\u00e4tzte: \u201eShakespeare hat eine solche Wirklichkeitsst\u00e4rke, dass wir seine Figuren annehmen als seien sie das Portrait von Menschen, die wir gekannt haben.\u201c<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> Er legt keinen Wert auf die Repr\u00e4sentation des gesamten Stoffes und illustriert nicht alle Akte des Dramas, sondern trifft eine Auswahl von Schl\u00fcsselszenen, die ihm besonders aussagef\u00e4hig f\u00fcr die unterschiedlichen emotionalen Seelenzust\u00e4nde des Protagonisten erscheinen \u2013 mal traurig und niedergeschlagen, mal arrogant und verachtend, dann wieder z\u00f6gernd und gef\u00fchlvoll, immer wieder drohend und gewaltt\u00e4tig.<\/p>\n<p>Wegen der fehlenden narrativen Koh\u00e4renz und ihrer zeichnerischer und kompositorischer Schw\u00e4chen wurde die erste Ausgabe von 1843 mit nur 13 Bl\u00e4ttern kritisiert: \u201eDer <em>Hamlet <\/em>von M. E. Delacroix ist kein Werk\u201c, so der anonyme Autor einer vernichtenden Rezension in der Zeitschrift <em>L\u2019Artiste<\/em>, \u201ees ist der Irrtum eines geistreichen Mannes, dem es v\u00f6llig an Takt und Urteilsverm\u00f6gen fehlt [\u2026].\u201c<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> Nach der f\u00fcr Delacroix entt\u00e4uschenden Aufnahme der Serie zu Lebzeiten wurde die zweite, posthume Ausgabe mit 16 Bl\u00e4ttern hingegen positiv rezipiert und die Konzentration auf die Glaubw\u00fcrdigkeit der unterschiedlichen Gem\u00fctszust\u00e4nde der Protagonisten hervorgehoben. Aufgrund der Auswahl der Szenen mit der gr\u00f6\u00dften emotionalen Intensit\u00e4t habe Delacroix das St\u00fcck einem gr\u00f6\u00dferen Publikum lebendig vermitteln k\u00f6nnen, wie der Literaturkritiker Paul de Saint-Victor 1864 meinte: \u201eLesen Sie erneut den <em>Hamlet <\/em>in Gegen\u00fcberstellung mit den Lithografien von Eug\u00e8ne Delacroix, dem Drama wird neues Leben eingehaucht und es wird in einem neuen Licht erstrahlen.\u201c<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>FB<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lit.: L\u2019Artiste 1843, Bd. 4, S. 145\u2013150 \u2013 Fischer 1963, S. 61\u201384 \u2013 Verdier 1964,S. 37\u201345 \u2013 Edenbaum 1967, S. 340\u2013351 \u2013 S\u00e9rullaz \/ Bonnefoy 1993 \u2013 Jobert 1998, S. 278\u2013283 \u2013 Young 2002, S. 251\u2013267 et passim \u2013 Ausst.-Kat. Karlsruhe 2003, S. 236\u2013247.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> William Shakespeare, Die Trag\u00f6die von Hamlet, Prinz von D\u00e4nemark, 1603, 5. Aufzug, 1. Szene.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> \u201eShakespeare poss\u00e8de une telle puissance de r\u00e9alit\u00e9 qu\u2019il nous fait adopter son personnage comme si c\u2019\u00e9tait le portrait d\u2019un homme que nous eussions connu.\u201d Delacroix 2009, Bd. 1, S. 893.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> \u201eL\u2019Hamlet de M. E. Delacroix n\u2019est donc pas une \u0153uvre, c\u2019est une erreur d\u2019un homme d\u2019esprit qui a manqu\u00e9 compl\u00e8tement de tact et de jugement.\u201c L\u2019Artiste 1843, Bd. 4, S. 150.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> \u201eRelisez Hamlet en le confrontant avec les lithographies d\u2019Eug\u00e8ne Delacroix, le drame prendra vie et souffle et s\u2019illuminera de lueurs nouvelles.\u201c Paul de Saint-Victor in <em>La Presse<\/em>, 31.5.1864; hier zit. nach S\u00e9rullaz \/ Bonnefoy 1993, S. 11.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"wp-block-pdfemb-pdf-embedder-viewer\"><a href=\"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/KatDelarochDelacroix_MdbKLeipzig2015.pdf\" class=\"pdfemb-viewer\" style=\"\" data-width=\"max\" data-height=\"max\" data-toolbar=\"bottom\" data-toolbar-fixed=\"off\">katdelarochdelacroix_mdbkleipzig2015<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eug\u00e8ne Delacroix Tod der Ophelia 1838 \u00d6L auf Leinwand, 38,1 x 45,9 cm Bez. u. l.: Eug. Delacroix Bayerische Staatsgem\u00e4ldesammlungen M\u00fcnchen, Neue Pinakothek Inv.-Nr.: 12764 &nbsp; Abb. ##: Paul Delaroche, La Jeune Martyre, 1854\u20131855, \u00d6l auf Leinwand, 170,5 x 148 cm, Paris, Mus\u00e9e du Louvre, D\u00e9partement des Peintures &nbsp; Die literarische Vorlage des \u00d6lgem\u00e4ldes Der Tod der Ophelia von Eug\u00e8ne Delacroix entstammt William Shakespeares (1564\u20131616) Drama Hamlet von 1602. Eug\u00e8ne Delacroix greift die siebte Szene aus dem vierten Aufzug heraus, in dem K\u00f6nigin Gertrud, Hamlets Mutter, dem d\u00e4nischen K\u00f6nig Claudius und ihrem Bruder Laerte von Ophelias Ertrinken<\/p>\n<p><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/werkkommentare-zu-delacroix\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":true,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[142],"tags":[164,158,162,165,160,159,163,161],"class_list":["post-403","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-werkkommentare","tag-berlin","tag-druckgrafik","tag-eugene-delacroix","tag-hamlet","tag-historie","tag-illustration","tag-kupferstichkabinett","tag-william-shakespeare"],"aioseo_notices":[],"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":"4b216e2bc8c54b4da4b24930cbe5de04","server":"vg06.met.vgwort.de","url":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/4b216e2bc8c54b4da4b24930cbe5de04"},"wp-worthy-type":"normal","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p863Lt-6v","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/403","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=403"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/403\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":405,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/403\/revisions\/405"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=403"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=403"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=403"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}