{"id":633,"date":"2017-12-21T18:26:39","date_gmt":"2017-12-21T17:26:39","guid":{"rendered":"http:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/?p=633"},"modified":"2018-01-02T21:50:49","modified_gmt":"2018-01-02T20:50:49","slug":"johanna-terhechte-the-murder-a-tribute-to-daisy-armstrong-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/johanna-terhechte-the-murder-a-tribute-to-daisy-armstrong-2017\/","title":{"rendered":"Johanna Terhechte, The Murder \u2013 A Tribute to Daisy Armstrong, 2017"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\" lang=\"en-US\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\">Johanna Terhechte<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span lang=\"en-US\"><i>The Murder \u2013 A Tribute to Daisy Armstrong<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span lang=\"en-US\">, 2017<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\">SW-Video, 4:45 Min. im Loop<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\">Johanna Terhechte studiert seit 2015 an der Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst und absolviert ihr Hauptstudium in der Klasse Fotografie im zeitgen\u00f6ssischen Feld bei Peter Piller. Ihre Bewerbung zum HGB-Studienpreis 2017 besteht aus einem Video in Schwarzwei\u00df mit dem Titel <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><i>The Murder \u2013 A Tribute to Daisy Armstrong<\/i><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\">. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\">In zw\u00f6lf unterschiedlichen Einstellungen zeigt sie eine Mauer, die ein modernes Haus von der Stra\u00dfe abgrenzt und \u00fcber die ein abgewickeltes VHS-Videoband herunterh\u00e4ngt, vom leichten Wind zuf\u00e4llig in Bewegung gesetzt. Die Aufnahmen sind ruhig und einfach gehalten, keine Schwenks oder andere Kameraversuche. Schwarze Einblenden trennen die Sequenzen voneinander, die sich durch verschiedene Perspektiven und N\u00e4he zum Objekt unterscheiden. Je mehr sich die Kamera dem Band ann\u00e4hert, desto bewegter wirkt es und desto mehr Raum nimmt es in den Bildern ein, so dass sich eine Fokussierung auf das Band und eine Steigerung der Dramaturgie ergibt. Das Konzentrierte der Aufnahmen wird noch unterstrichen durch die Verwendung von Schwarzwei\u00df. Aufgrund der Kontraste durch ein helles, aber nicht blendendes Tageslicht auf einer hellen Mauer im Gegensatz zum dunklen Material des Videobandes erh\u00e4lt dieses eine starke graphische Pr\u00e4senz, die durch die strenge und einfarbige Geometrie der Wandfl\u00e4chen noch unterstrichen wird. (Schwarzwei\u00dfaufnahmen, Lichtverh\u00e4ltnisse, die einfach gehaltene, modernistische Architektur im Hintergrund m\u00f6gen ferner als Referenz an die Kultur der kalifornischen Moderne und den fr\u00fchen Hollywood-Film verstanden werden, wie sie etwa in den Bauten Richard Neutras zum Tragen kommt.)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\">Im Soundtrack zum Video ist die titelgebende Filmmusik <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><i>The Murder <\/i><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\">zu h\u00f6ren, die der englische Komponist Richard Rodney Bennett f\u00fcr den Kriminalfilm nach Agatha Christies <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><i>Murder on the Orient Express<\/i><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"> (1974) von Sidney Lumet geschrieben hat. Die Musik verleiht dem Video von Johanna Terhechte eine Spannung, die sie in ihren Schnitten und dem sich langsamen Ann\u00e4hern an das Videoband wieder dramaturgisch aufnimmt. Unterst\u00fctzt durch die Musik, schaut man als Betrachter*in gebannt auf diese Arbeit, folgt der Bewegung des Videobandes und den Einstellungen des Films, als w\u00fcrde Terhechte etwas erz\u00e4hlen wollen. Aber in ihrer Dramaturgie verzichtet auf sie eine starke visuelle Narration oder eine direkte Erz\u00e4hlung, unsere Phantasie wird durch die Bilder und die Musik befl\u00fcgelt, ohne dass wir eigentlich wissen, worum es geht. Wir erwarten etwas und sehen nur wenig, kompensieren die bewusst gew\u00e4hlte visuelle Einfachheit durch unsere eigene Imagination. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\">Terhechte interessiert sich f\u00fcr das Wechselspiel von Kontrolle und Zufall. Das entsteht bei den von ihr festgelegten Entscheidungen zu Objekt, Schnitten, Licht und Ort gegen\u00fcber der von ihr dann nicht mehr zu bestimmenden Bewegung des Bandes durch den Wind. Ihrer Willk\u00fcr stellt sie die der Natur entgegen, die Partner in der k\u00fcnstlerischen Bew\u00e4ltigung des gestellten \u00e4sthetischen Problems wird. Die Frage, die sie aufwirft, ist die des Zusammenwirkens von Behaupten, Zeigen und Verbergen in der Kunst, und ihrem Einfluss auf den Gestaltungsprozess, den sie als K\u00fcnstlerin darauf nehmen kann. Was zeigt sie den Betrachter*in, was \u00fcberl\u00e4sst sie der Vorstellungskraft? Mit welchen \u00e4sthetischen Impulsen kann sie die Rezeption steuern, wie stimuliert sie eine eigene Erz\u00e4hlung zum \u00e4sthetisch Empfundenen? Das Videoband spielt als \u201aProtagonist\u2018 dabei eine zentrale Rolle, fasziniert es die K\u00fcnstlerin doch auf der einen Seite durch seine eigenwillige \u00c4sthetik, dunkel und gl\u00e4nzend, scheinbar endlos lang und beweglich, auf der anderen Seite ein Informationstr\u00e4ger, dessen Gehalt aber nicht so ohne weiteres entschl\u00fcsselt werden kann. Das Band kann somit als Symbol f\u00fcr die Behauptungskraft von Abwesenheit verstanden werden, denn durch den Prozess des Nicht-Zeigens bzw. Nicht-Sehens werden Interesse und Imagination, Vorstellungskraft und Verst\u00e4ndnis angeregt. Genau dieser Moment des Behaupteten, aber nach positivistischer Auffassung Nicht-Pr\u00fcfbaren macht hier die k\u00fcnstlerische Arbeit aus. So ist auch der Nebentitel der Arbeit Terhechtes, <\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><i>A Tribute to Daisy Armstrong<\/i><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\">,<\/span><i> <\/i><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\">einzuordnen: Daisy Armstrong spielt in der Kriminalgeschichte von Agatha Christie eine zentrale Rolle, da sie als Kind ermordet wurde und ihr M\u00f6rder nun Jahrzehnte sp\u00e4ter von ihren Angeh\u00f6rigen im Orient-Express wiederum ermordet wird. Sie ist also als Motiv die ganze Zeit \u00fcber anwesend, aber nicht k\u00f6rperlich oder visuell. \u00dcbertragen auf die Arbeit Terhechtes kann Daisy Armstrong also als die Personifikation des Abwesenden verstanden, als Sinnbild f\u00fcr Terhechtes k\u00fcnstlerisches Prinzip.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johanna Terhechte The Murder \u2013 A Tribute to Daisy Armstrong, 2017 SW-Video, 4:45 Min. im Loop Johanna Terhechte studiert seit 2015 an der Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst und absolviert ihr Hauptstudium in der Klasse Fotografie im zeitgen\u00f6ssischen Feld bei Peter Piller. Ihre Bewerbung zum HGB-Studienpreis 2017 besteht aus einem Video in Schwarzwei\u00df mit dem Titel The Murder \u2013 A Tribute to Daisy Armstrong. In zw\u00f6lf unterschiedlichen Einstellungen zeigt sie eine Mauer, die ein modernes Haus von der Stra\u00dfe abgrenzt und \u00fcber die ein abgewickeltes VHS-Videoband herunterh\u00e4ngt, vom leichten Wind zuf\u00e4llig in Bewegung gesetzt. Die Aufnahmen sind<\/p>\n<p><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/johanna-terhechte-the-murder-a-tribute-to-daisy-armstrong-2017\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":635,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[182,142],"tags":[209,211,212,210],"class_list":["post-633","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-publikationen","category-werkkommentare","tag-johanna-terhechte","tag-musik","tag-schwarzweiss","tag-video"],"aioseo_notices":[],"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":null,"server":null,"url":null},"wp-worthy-type":"normal","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Terhechte_TheMurder2017_Screenshot.png","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p863Lt-ad","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/633","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=633"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/633\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":634,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/633\/revisions\/634"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/635"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=633"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=633"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=633"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}