{"id":74,"date":"2008-08-16T22:53:45","date_gmt":"2008-08-16T20:53:45","guid":{"rendered":"http:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/?p=74"},"modified":"2017-02-21T22:40:22","modified_gmt":"2017-02-21T21:40:22","slug":"unveroeff-rezension-zu-patrick-michel-le-commerce-du-tableau-a-paris-dans-la-seconde-moitie-du-xviiie-siecle-lille-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/unveroeff-rezension-zu-patrick-michel-le-commerce-du-tableau-a-paris-dans-la-seconde-moitie-du-xviiie-siecle-lille-2007\/","title":{"rendered":"unver\u00f6ff. Rezension zu Patrick Michel, Le commerce du tableau \u00e0 Paris dans la seconde moiti\u00e9 du XVIIIe si\u00e8cle, Lille 2007"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-185 alignleft\" src=\"http:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/27574100425170L-200x300.jpg\" alt=\"27574100425170l\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/27574100425170L-200x300.jpg 200w, https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/27574100425170L.jpg 267w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>Die kunsthistorische Forschung zum Kunsthandel hat es nicht leicht: Von den Historikern wird sie oft als unzureichend systematisch, ja fast als zu wenig wissenschaftlich angesehen, von Seiten der Kunstgeschichte im Gegenteil als zu stark quantitativ und zu wenig k\u00fcnstlerisch bzw. kunsthistorisch interessiert abgetan. Patrick Michel versucht nun in seiner franz\u00f6sischsprachigen Ver\u00f6ffentlichung zum Handel von Bildern im Paris der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts beide Anspr\u00fcche miteinander zu verkn\u00fcpfen, sowohl eine methodisch und systematisch fundierte Analyse der kommerziellen Verstrickungen der Kunst und K\u00fcnstler als auch der k\u00fcnstlerischen Praxis und geschmacksgeschichtlichen Zusammenh\u00e4nge vorzulegen. Es sei vorneweg geschickt, da\u00df dies ihm hier nur zum Teil gelingt, da er sich dazu entschlossen hat, seine im Jahr 2004 abgeschlossene und hier vorliegende Habilitationsschrift zum Kunstmarkt und Sammlungen der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts in Paris in mehreren B\u00fcchern zu ver\u00f6ffentlichen.[1]<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">Da sich Patrick Michel gl\u00fccklicherweise dazu entschieden hat, seine Forschungen mit entsprechenden Nach- und Hinweisen zu Archivalien und Quellen zu publizieren, wird der an dieser Zeit interessierte Forscher mit einer anregenden Lekt\u00fcre von zum gro\u00dfen Teil unpubliziertem Material belohnt \u2013 anders, als bei der Lekt\u00fcre manch anderer publizierter Habilitationsschriften, wie zum Beispiel bei der ansonsten sehr interessanten Arbeit von Jean Chatelus zur Praxis der Malerei im 18. Jahrhundert in Frankreich.[2] Die Untersuchung Patrick Michels fu\u00dft in Teilen auf der Arbeit von Chatelus, der sich in seiner 1987 verfa\u00dften und 1991 in Teilen publizierten Habilitationsschrift unter anderem den K\u00fcnstlern als H\u00e4ndler widmete, die diesen Bereich im gesamten 18. Jahrhundert in Frankreich dominiert haben. Patrick Michel richtet sein Blickfeld auf alle Akteure und Gebiete des Kunsthandels, nicht allein auf die K\u00fcnstler und konzentriert sich dabei auf die zweite H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts, als der Kunsthandel seine volle Professionalit\u00e4t und Bl\u00fcte erreichte.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">Guillaume Glorieux hatte in seiner ebenfalls faktenreichen Dissertation zum wichtigsten Pariser Kunst-, Naturalia- und Kuriosit\u00e4tenh\u00e4ndler der ersten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts, Edm\u00e9 Gersaint, aus dem Jahr 2002 die Vorbildhaftigkeit der holl\u00e4ndischen Kunsthandelsstrukturen f\u00fcr Frankreich und deren Umsetzung und professionelle Weiterentwicklung durch Gersaint herausgearbeitet. In Fortf\u00fchrung von Gersaints Ansatz konnte sich in der Folge ab den 1740er bis 1770er Jahren in Paris ein Kunsthandel etablieren, der unter in Europa neue Ma\u00dfst\u00e4be setzte. Patrick Michel greift diesen Gedanken auf und stellt in seiner Habilitationsschrift die Nachfolger Gersaints mit all ihren Inventionen und professionellen Fortschritten vor. Dabei scheut er sich auch nicht davor, bisher wenig ber\u00fccksichtigte Akteure einzuf\u00fchren, bisweilen anekdotenhaft aus den Katalogen und Korrespondenzen der Zeit zu zitieren und eine Vielzahl von Archivalien der kunsthistorischen Forschung zug\u00e4nglich zu machen. Besonders der letzte Punkt ist zu unterstreichen, da dies ein gro\u00dfer Verdienst des Buches ist, von dem die Kunsthandels- und Sammlungsforschung ebenso profitieren wird wie die Kunstgeschichte insgesamt.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">In seiner Untersuchung kann Patrick Michel auf eine Reihe von wissenschaftlichen Forschungen zum Kunstmarkt und zu Sammlungsfragen zur\u00fcckgreifen, die seit dem 19. Jahrhundert in Frankreich betrieben wurden. Nachdem der franz\u00f6sische Kunsthandel bereits fr\u00fch von Autoren \u2013 z.B. Edmond Bonnaff\u00e9, Adolphe Thibaudeau, Charles Blanc, Georges Duplessis oder Louis Courajod, in gewisser Weise kann auch Frits Lugt in diese Reihe aufgenommen werden \u2013 umfangreich, aber auch sehr positivistisch untersucht wurde, war er mit Ausnahme der Recherchen Emile Daciers in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts nur unzureichend ein Gegenstand wissenschaftlicher Ver\u00f6ffentlichungen gewesen. Erste Ans\u00e4tze entwickelten sich seit den 1960er Jahren vor allem durch Erik Duverger, der 1967 einen grundlegenden Beitrag zur europ\u00e4ischen Verstrickungen des Kunsthandels und seiner Bedeutung f\u00fcr die Sammler vorlegte.[3] Krzysztof Pomian konnte 1979 in einem sehr einflu\u00dfreichen Aufsatz dann die Themenkreise skizzieren, die in den folgenden Jahren von anderen (Kunst-) Historikern weiter bearbeitet wurden, n\u00e4mlich unter anderem die quantitative Entwicklung des Kunstmarkts, die kunstwissenschaftlichen und \u00e4sthetischen Neuerungen der Verkaufskataloge und der Einflu\u00df von Kunstmarkt auf den Geschmack und die Sammlungen im 18. Jahrhundert.[4]<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">Die Erforschung von Kunstsammlungen und Kunsthandel ist nicht identisch, aber sie geh\u00f6rt doch zusammen; werden diese Felder getrennt, verliert man aber schnell die sich bedingenden Faktoren aus den Augen, vor allem bei der Erforschung des Handels, der kein Selbstzweck war, sondern immer dem Sammeln diente. Beide Felder haben in den letzten zwei Jahrzehnten eine Vielzahl von Einzeluntersuchungen hervorgebracht. Zur Sammlungsgeschichte des 18. Jahrhunderts legte etwa Colin B. Baileys 2002 die Publikation seiner aus den 1980er Jahren stammenden Dissertation Patriotic Taste vor \u2013 eine Gesamtdarstellung wie die Antoine Schnappers zum 17. Jahrhundert steht f\u00fcr die Zeit noch aus. Zum Kunsthandel in Europa erschienen verschiedene wirtschafts- und kunsthistorische Untersuchungen, wie die Arbeiten von Michael North, John Michael Montias, David Ormrod, Neil de Marchi oder Hans J. van Miegroet, und nachhaltige Forschungsinitiativen wie etwa der Getty Provenance Index, der durch Burton B. Fredericksen ins Leben gerufen wurde, erleichtern dem heutigen Forscher ganz erheblich den Zugang zu Verkaufskatalogen und Werkprovenienzen. Auch wurden Sammlungs- und Kunsthandelsthemen zuletzt auf verschiedenen Tagungen diskutiert, so zum Beispiel in Bordeaux 2002, von Patrick Michel initiiert, in der Wallace Collection in London 2003 (der Tagungsband ist soeben erschienen) und in der INHA in Paris im Jahr 2004.[5] Zusammen mit den Einzeluntersuchungen zu verschiedenen franz\u00f6sischen Kunsth\u00e4ndlern (beispielsweise Pierre-Fran\u00e7ois Basan durch Pierre Casselle 1982, Augustin M\u00e9nageot durch Nicole Willk-Brocard 1998, Pierre Remy durch Patrick Michel, S\u00e9v\u00e9rine Daroussat und Fran\u00e7ois Marandet, Alexandre-Joseph Paillet durch Jo-Lynne Edwards oder Jean-Baptiste-Pierre Le Brun unter anderem durch Fabienne Camus, deren Dissertation zu diesem wichtigen H\u00e4ndler aber leider nicht \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich ist, und durch gl\u00e4nzend durch Edouard Pommier) und zu den verschiedenen anderen \u00e4sthetischen, kulturpolitischen und sozialgeschichtlichen Untersuchungen zum ausgehenden Ancien R\u00e9gime (zuletzt zum Beispiel im Juni 2008 die Tagung zum Thema Expertise im Centre Marc Bloch in Berlin), erg\u00e4nzt durch verschiedene Aufs\u00e4tze zum Verh\u00e4ltnis von Kunstmarkt, Druckgraphik und Kennerschaft wie zum Beispiel von William A. McAllister-Johnson,[6] ist man heute insgesamt sehr gut \u00fcber diese Themenkomplexe informiert.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">Patrick Michel wei\u00df um die reiche Vorgeschichte der Forschungen zum Kunsthandel; er geht aber noch weit dar\u00fcber hinaus, indem er eine intensive archiv- und quellengest\u00fctzte Studie der Akteure und Orte vorlegt, bei deren Untersuchung er seinen Blick auch auf die internationalen Verbindungen lenkt, auf die Agenten und H\u00e4ndler der nordeurop\u00e4ischen und besonders die deutschen F\u00fcrstenh\u00f6fe, zu der Zeit sehr stark auf dem Pariser Kunstmarkt vertreten. Seine Untersuchung zum Gem\u00e4ldehandel ist in zwei Teile gegliedert, die sich zum einen den Akteuren und zum anderen der Praxis des Handels widmen. Im ersten Teil stellt Michel zuerst die institutionellen, juristischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen vor, von den Regelungen der Zunft der Marchands-merciers \u00fcber die Statuten f\u00fcr die Mitglieder der Acad\u00e9mie de Saint-Luc (den Mitgliedern der Acad\u00e9mie royale war der Handel grunds\u00e4tzlich verboten) bis hin zu den allgemeinen Warenbedingungen des Kunsthandels. Dann stellt er die einzelnen Kunsth\u00e4ndler, ihren Status innerhalb der Pariser Gesellschaft vom einfachen Brocanteur<i> <\/i> \u00fcber den Marchand-entrepreneur<i> <\/i>bis hin zum&nbsp;Marchand-expert und ihre verschiedenen Verkaufsorte und -techniken vor und vergi\u00dft auch nicht, die weniger offiziellen und anerkannten Personen zu erw\u00e4hnen, die in den bisherigen Abhandlungen nur sehr selten zur Sprache kamen. Hier zeigt sich eine St\u00e4rke der Arbeit, die aufgrund der intensiven Archivrecherchen zwar nicht die bisherige Kenntnis des Gegenstands grunds\u00e4tzlich neu formuliert, aber durch zahlreiche bisher unbekannte Einzelaspekte wesentlich erweitert und die faktenreiche Analyse mit Leben f\u00fcllt. Detailliert wendet sich Michel den verschiedenen Orten des Kunsthandels zu, die sich von den Messest\u00e4nden und den Boutiquen auf dem Pont Notre-Dame weiterentwickelten hin zu den professionellen Auktionshallen nach holl\u00e4ndischem bzw. englischem Vorbild. Die Etablierung von verschiedenen Auktionsh\u00e4usern, etwa im H\u00f4tel d\u2019Aligre durch Paillet oder im Hotel Bouillon, auch bei Le Brun in seinem eigenen H\u00f4tel particulier, trug neben der Entwicklung von allgemein nachvollziehbaren Kunsturteilen und protokunstwissenschaftlichem Apparat in den Verkaufskatalogen nach 1750 entscheidend zur Bl\u00fcte des Kunsthandels bei. In einer Zeit, in der es neben den Salon-Ausstellungen und der Exposition de la jeunesse lediglich im Palais du Luxembourg zaghafte Ans\u00e4tze zu regelm\u00e4\u00dfigen \u00f6ffentlichen Ausstellungen gab, wurden die \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Auktionen so auch zu wichtigen St\u00e4tten des Kunstgenusses und der Bildung. Die Untersuchung der Orte des Handels (und dann auch seiner Praxis) wird hier auf diese Weise nebenbei zu einer Vorstellung der Geschichte des Sehens und der Kultur der Stadt Paris im ausgehenden Ancien R\u00e9gime.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">Der zweite Teil des Buches hat die Techniken des Kunsthandels, den Werdegang der Bilder, die hinter den Preisen stehenden Wertevorstellungen und die verschiedenen Mechanismen des Kunstmarkts zum Gegenstand. Stichpunkte hier sind die Provenienz der Kunstwerke (in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts vor allem aus Holland, Flandern und England, einige wenige auch aus Italien), die Vermittlung von Kunstwerken bzw. deren Verkauf (Kauf in Boutiquen, H\u00e4ndlervereinigungen, Handelsreisen, Handel zwischen den H\u00e4ndlern, Kauf bei K\u00fcnstlern, etc.), die Kunstpreise und die finanztechnischen Abwicklungen des Handels und erneut die \u00f6ffentliche Auktion, die aufgrund ihrer besonderen Bedeutung f\u00fcr den Kunsthandel der Zeit ein eigenes und umfassendes Kapitel erh\u00e4lt, in dem die verschiedentlich im Text bereits ausgelegten F\u00e4den wie die Orte des Handels, die Entwicklung neuer Verkaufstechniken wie die Verkaufskataloge und die Kundschaft dieser Auktionen untersucht werden.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">Patrick Michel kommt am Ende auf den Zusammenhang von Geschmack und Preis zu sprechen und stellt ansatzweise die Faktoren vor, die auf die Preisentwicklung Einflu\u00df nahmen, wie zum Beispiel Kriegs- und Friedenszeiten, allgemeine Geschmacksmoden \u2013 ohne da\u00df hier n\u00e4her untersucht wird, wie, warum und durch wen diese erzeugt werden \u2013 oder die Eink\u00e4ufe ausl\u00e4ndischer F\u00fcrstinnen und F\u00fcrsten in Paris, aber vor allem Spekulationsstrategien von Sammlern und H\u00e4ndlern und die starke Stellung von Kunsth\u00e4ndlern in bezug auf die Zusammensetzung von Sammlungen. Weit weniger einflu\u00dfreich, wie man heute h\u00e4tte annehmen k\u00f6nnen, waren die Kunstkritik und Kunstpolitik, die unser heutiges Bild der damaligen Epoche weit mehr pr\u00e4gen als bei den Zeitgenossen. Eine zusammenh\u00e4ngende Untersuchung der Verbindung von Geschmacksentwicklung und Kunstmarkt, wie er sie in seiner Habilitationsschrift vorgelegt hat, ebenso wie die Betrachtung der Kunstproduktion f\u00fcr einen durch den Kunsthandel gepr\u00e4gten Geschmack w\u00e4re an dieser Stelle w\u00fcnschenswert gewesen. Abgesehen davon ist man am Ende des Buches \u00fcber die verschiedenen Personen, Orte und Techniken des Kunsthandels in Paris auf eine detaillierte und kenntnisreiche Weise informiert worden, wie es bisher noch nicht geleistet wurde.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">Das breite Spektrum der behandelten Themen geht manchmal auf Kosten einer vertieften Analyse. So ist es zum Beispiel bedauerlich, da\u00df Patrick Michel in seinem Abschnitt \u00fcber die Preise von Gem\u00e4lden nicht ansatzweise die ebenfalls angek\u00fcndigten Debatten \u00fcber den Luxus vorstellt. Weder werden die mit Luxus in Zusammenhang gebrachten Vorstellung zu Repr\u00e4sentation und Magnifizenz vorgestellt noch ihre sozialhistorische Bedeutung in der h\u00f6fischen Gesellschaft des ausgehenden Ancien Regime in Verbindung mit den Ausgaben f\u00fcr Kunst untersucht. Auch erf\u00e4hrt man wenig von der zutiefst heterogenen Kundschaft des Kunsthandels, die keineswegs der gleichen gesellschaftlichen Schicht angeh\u00f6rte noch mit den gleichen Intentionen und Geschmack beim Kauf von Kunstwerken zum Teil derart erhebliche Summen auszugeben bereit war, da\u00df diese im Vorfeld der Revolution zu gro\u00dfer Kritik anregten. Eine differenzierte Untersuchung der verschiedenen sozialen, finanziellen und \u00e4sthetischen Beweggr\u00fcnde, die zum Kauf von Kunst f\u00fchren konnten, w\u00e4re sicherlich erhellend und wurde in dieser Form bisher auch noch nicht in der kunsthistorischen Forschung unternommen. Der Leser begegnet einigen Stichworten zu vielversprechenden Themen, mu\u00df aber nach einigen Seiten feststellen, da\u00df die im Absatztitel angek\u00fcndigte Konfrontation von gesellschaftlicher Bedingung, politischer Intention und \u00e4sthetischer Theorie am Beispiel der Luxusdebatten und den (\u00fcbersteigerten) Wertentwicklungen von Kunstwerken nicht konsequent durchgef\u00fchrt wurde. Die Verbindung von quantitativer Analyse und geistesgeschichtlicher Kontextualisierung, die Einbindung in eine des Kunsthandels in eine Material- und Kulturgeschichte h\u00e4tte reiche Fr\u00fcchte und neue Ansichten auf den Kunstmarkt gebracht.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">Wer in diesem Buch die \u00e4sthetischen Auswirkungen des Kunsthandels oder seinen geschmacksgeschichtlichen Kontext im Paris des 18. Jahrhundert zu verstehen versucht, wird es vielleicht ein wenig entt\u00e4uscht wieder weglegen \u2013 oder aber sich angeregt f\u00fchlen, weiter in dieser Richtung zu forschen und das Buch als faktenreiches Instrument zu benutzen. Wie Patrick Michel in seiner Zusammenfassung schreibt, legt er hier eine Untersuchung allein des Kunsthandels, seiner Akteure und Mechanismen vor und wird sich in einer weiteren Publikation, dem zweiten Teil seiner Habilitationsschrift, den Sammlern zuwenden. Diese Zweiteilung ist zu bedauern, angesichts der F\u00fclle des Materials aber vielleicht verst\u00e4ndlich. Man darf auf die zweite Publikation dieses Kenners also sehr gespannt sein und hoffen, da\u00df dieser die im vorliegenden Buch ausgebreiteten Themen und Argumentationsstr\u00e4nge st\u00e4rker auf die Geschmacks- und Sammlungsgeschichte des 18. Jahrhunderts konzentriert!<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">Dr. des. Fr\u00e9d\u00e9ric Bu\u00dfmann<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\"> Deutsches Forum f\u00fcr Kunstgeschichte, Paris<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\"> &lt;fbussmann@dt-forum.org&gt;<\/span><\/p>\n<p class=\"western\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">[1]<span lang=\"fr-FR\"> Patrick Michel, <em>Le commerce du tableau \u00e0 Paris dans la seconde moiti\u00e9 du XVIIIe si\u00e8cle<\/em>, Lille: Septentrion Presses Universitaires 2007.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">[2] Jean Chatelus, <em>Peindre \u00e0 Paris au XVIIIe si\u00e8cle<\/em>, N\u00eemes: J. Chambon 1991.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">[3] Erik Duverger, \u201eR\u00e9flexions sur le commerce d\u2019art au XVIIIe si\u00e8cle\u201c, in <em>Stil und \u00dcberlieferung in der Kunst des Abendlandes<\/em>, Kolloquiumsakten, Berlin: Gebr\u00fcder Mann 1967, S. 65-88.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">[4] Krzysztof Pomian, \u201eMarchands, connaisseurs, curieux \u00e0 Paris au XVIII<sup>e<\/sup> si\u00e8cle\u201c, in <em>Revue de l\u2019art<\/em> 43, 1979, S. 23-36.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">[5] A<em>ctes des Journ\u00e9es d\u2019\u00e9tude Collections et March\u00e9 de l\u2019art en France au XVIIIe si\u00e8cle<\/em>, Kolloquiumsakten Bordeaux, Centre Fran\u00e7ois-Georges Pariset, 2002, hrsg. von Patrick Michel, Bordeaux: Centre Fran\u00e7ois-Georges Pariset 2002; <em>Auctions, Agents and Dealers: The Mechanisms of the Art Market 1660-1830<\/em>, Kolloquiumsakten London, Wallace Collection, 2003, hrsg. von Jeremy Warren und Adriana Turpin, Oxford: Archaeopress, 2007; <em>Collections et march\u00e9 de l\u2019art en France 1789-1848<\/em>, Kolloquiumsakten Paris, INHA, 2003, hrsg. von Monica Preti-Hamard und Philippe S\u00e9n\u00e9chal, Rennes: Presses universitaires de Rennes, 2005; <i>La circulation des \u0153uvres d\u2019art. 1789\u20131848<\/i>, hrsg. von Roberta Panzanelli und Monica Preti-Hamard&nbsp;, Kolloquiumsakten Paris, INHA, 2004, Rennes: Presses Universitaires de Rennes 2007.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: helvetica,arial,sans-serif; font-size: 12pt;\">[6] William A. McAllister-Johnson, \u201ePaintings, Provenance and Price: Speculations on 18th-Century Connoiseurship Apparatus un France\u201c, in <em>Gazette des Beaux-Arts<\/em> 128, 1986, S. 191-199.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: helvetica,arial,sans-serif;\">Siehe Patrick Michel, <em>Le commerce du tableau \u00e0 Paris dans la seconde moiti\u00e9 du XVIIIe si\u00e8cle<\/em>, Lille: <a href=\"http:\/\/www.septentrion.com\/fr\/livre\/?GCOI=27574100425170&amp;fa=author&amp;person_id=8334\">Septentrion Presses Universitaires<\/a> 2007; ISBN: 978-2-7572-0001-2.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die kunsthistorische Forschung zum Kunsthandel hat es nicht leicht: Von den Historikern wird sie oft als unzureichend systematisch, ja fast als zu wenig wissenschaftlich angesehen, von Seiten der Kunstgeschichte im Gegenteil als zu stark quantitativ und zu wenig k\u00fcnstlerisch bzw. kunsthistorisch interessiert abgetan. 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Es sei vorneweg geschickt, da\u00df dies<\/p>\n<p><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/unveroeff-rezension-zu-patrick-michel-le-commerce-du-tableau-a-paris-dans-la-seconde-moitie-du-xviiie-siecle-lille-2007\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":185,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":true,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[8],"tags":[28,135,134,136,31,14],"class_list":["post-74","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rezension","tag-18-jahrhundert","tag-frankreich","tag-kunstmarkt","tag-patrick-michel","tag-rezension","tag-sammlungsgeschichte"],"aioseo_notices":[],"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":"7c543a9daa5b427097334e0ec5b31f8d","server":"vg06.met.vgwort.de","url":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/7c543a9daa5b427097334e0ec5b31f8d"},"wp-worthy-type":"normal","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/27574100425170L.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p863Lt-1c","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=74"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":451,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74\/revisions\/451"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/185"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=74"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=74"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/frederic.bussmanns.eu\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=74"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}